Hamburgensien             

In dieser Rubrik biete ich allen Besuchern meiner Website und somit auch den “Nicht-Hamburgern“ oder “Quiddjes“ gute Informationen über Hamburg und gebräuchliche Hamburger Begriffe. Für die “Vollblut-Hanseaten“ sind vielleicht auch noch Neuigkeiten dabei. Diese Daten hat mir mein Webmaster John T. aus dem Archiv des Hamburger Abendblattes zur Verfügung gestellt.

"Enjoy and have fun, Euer Horst"

Tüdelband - An de Eck steiht 'n Jung

Tüdelband - Unter einem Tüdelband versteht der Hamburger meistens einen einfachen Bindfaden. Kinder spielten das Spiel "Abnehmen" mit komplizierten Mustern zwischen den Fingern mit einem Tüdelband, denn wer nicht aufpasste, vertüdelte sich oder kam in Tüdel, geriet also durcheinander. In dem Lied "An de Eck steiht 'n Jung mit 'n Tüdelband" hat der Begriff "Tüdelband", auch Trünnelband, eine andere Bedeutung. Gemeint ist ein Radreifen aus Eisen. Lag so ein Reifen herum, benutzten die Straßenjungen ihn gern als Spielzeug und trieben ihn mit Stockschlägen durch die Gassen ("Un he rasselt mit 'n Dassel gegen Kantsteen"). Vornehm in Hochdeutsch kann man für Tüdelband auch sagen: Trudelreifen

Palmaille - Spielbahn und Prachtstraße

Palmaille - Die seit dem Jahre 1713 zu Altona gehörende Palmaille galt vor allem durch die klassizistischen Bauten des dänischen Architekten Christian Frederik Hansen (1756 - 1845), der in Haus Nummer 116 wohnte, als große Sehenswürdigkeit.

Die Palmaille entstand entlang dreier Spielbahnen, die der letzte Schauenburger der Pinneberger Linie, Graf Otto V. (gestorben 1640), im Jahre 1638 hatte anlegen lassen, und zwar für das mit Schlaghämmern betriebene Ballspiel Palle Maglio (italienisch palle = Ball, maglio = hölzerner Schläger), eine Art Krocket, das sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts von Italien aus in großen Teilen Europas ausbreitete und schließlich umgangssprachlich zu "Palmaille" abgeschliffen wurde.

Aus den Spielbahnen entstanden vielerorts später Prachtstraßen, beispielsweise die Pall Mall in London - und der Jungfernstieg!

Als die Hamburger nicht immer zum Spielen nach Altona pilgern wollten, legten sie im Jahre 1665 auf dem Damm der Binnenalster eine Spielbahn an und nannten den Jungfernstieg (Reesendamm) zeitweise Palmaille.

 Pankoken-Kapelle - Musik mit dicken Backen

Pankoken-Kapelle - Obwohl die Trupps aus drei oder vier Musikern mit Melonen (schwarzen Hüten) auf den Köpfen, die bis in die Fünfzigerjahre auf behördlich genehmigten Wegen durch die Ortsteile zogen, teilweise Töne produziert haben sollen, die platt waren wie ein Pannkoken (Pfannkuchen), geht diese Bezeichnung nicht auf die Mehlspeise zurück, sondern auf Leberecht Pankoken, den Sohn eines Klarinettenspielers aus Krempe, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Hamburg eine solche Gruppe zusammenbrachte.

Sie bestand aus Direktor Pankoken (Schalmei), dem Geigenspieler Krukenberg (Bogen fettig, Saiten aus Bindfäden), dem Posaunisten Klüten (meist unpässlich) und einem Herrn Stint mit seiner Klarinette, die stets verstopft war, obwohl er eifrig die Backen aufblies und rüstig die Finger bewegte.

Seitdem spricht man von Pankoken-Musik. In Altona nannte man derartige Akteure Schneegänse nach dem bekannten Straßenmusikanten Anton Schneegans.

 Michel - Symbol für Hamburg

Michel - Selbst Auswärtigen muss man es nicht erklären: Die Hauptkirche St. Michaelis in der Neustadt zwischen Krayenkamp und Ludwig-Erhard-Straße, kurz Michel genannt, ist das bekannteste Wahrzeichen unserer Stadt. Wenn in irgendeinem Film der Michel mit seinem typischen, 132 Meter hohen Turm mit dem offenen Säulenumgang in 82 Meter Höhe eingeblendet wird, wissen das die Zuschauer in der ganzen Welt. St. Michaelis wurde erst 1647 als fünftes Kirchspiel von St. Nikolai abgetrennt. Der erste, 1661 fertig gestellte Kirchenbau brannte bereits 1750 ab, und 1906 bot der erneut lichterloh brennende und einstürzende Michel-Turm ein schauriges Schauspiel. Im Weltkrieg stark beschädigt, wurde 1996 die Turmsanierung abgeschlossen, die für alte Hamburger einen kleinen Schönheitsfehler hat: Die Kupferplatten präsentieren sich nun nicht mehr grün, sondern kupferfarben braun. Aber das wird sich im Laufe der Jahre wieder ändern.

 duhn - Een beten angetütert

duhn (auch: duun) ist jemand, der angetrunken ist, sich einen angetütert hat, unsicher auf den Beinen wirkt oder gar Schlagseite aufweist. Wer volltrunken ist, wird als stickenduhn bezeichnet. Das plattdeutsche Adverb duhn bedeutet "dicht, eng, nahebei" oder eben "betrunken", ursprünglich jedoch "geschwollen" oder "straff", was in dem Ausdruck "Sik dick un duhn eten" (frei übersetzt: "Essen, bis man platzt") erhalten geblieben ist.

 überkandidelt - Etwas zu fröhlich

Wer überkandidelt ist, ist "überspannt" oder "übergeschnappt". "De ischa ganz un gor überkandidelt", sagt man in Norddeutschland zu einer Person, die "überdreht", "überlustig" oder "aufgedonnert" daherkommt. Das Abverb gehört zum nordd. kandidel (= "frisch, munter"), das letztlich auf das lateinische candidus (= "weiß", aber auch: "heiter, fröhlich") zurückgeführt werden kann.

 Quiddje - Eigentlich ein Fremder

Wer in Hamburg zugezogen ist, wer sich noch nicht als Hamburger fühlt oder sich als Hamburger fühlen möchte, aber von Hamburgern nicht als Hamburger anerkannt wird (was Generationen dauern kann), wer einen süddeutschen Akzent hat oder gar allzu deutlich betont, ursprünglich aus Lübeck oder - schlimmer noch! - Bremen zu stammen, wird an Elbe und Alster als Quiddje (auch: Quittje = Fremder, Hochdeutschsprechender) bezeichnet, und es gibt Quiddjes, die sind schon deshalb Quiddjes, weil sie gar nicht merken, dass sie Quiddjes sind. Der in Oberschlesien geborene Hamburger Bürgermeister Herbert Weichmann (1896-1983) brachte es zwar bis zum Ehrenbürger der Stadt, blieb hinter vorgehaltener Hand aber immer der "Quiddje aus Schlesien".

Hummel, Hummel

Wer kennt ihn nicht diesen Hamburger "Schlachtruf". Diesen Erkennungsruf, durch den Hamburger selbst in fernen Erdteilen zusammenfinden? "Hummel" war ursprünglich der Spitzname eines Wasserträgers. Er hieß eigentlich Johann Wilhelm Bentz. Er lebte von 1787 bis 1854. Durch eine familiäre Enttäuschung wurde der einst fröhliche Bentz verbittert und trübsinnig, schon der kleinste Ärger konnte ihn zu maßlosem Zorn reizen. Wie wurde aus dem Bentz ein "Hummel"? Es gab damals einen alten Stadtsoldaten namens Daniel Christian Hummel. Er war eine auffallende, immer mit einem roten Artilleristenrock und Orden geschmückte Persönlichkeit. Durch die Schilderung seiner angeblichen Kriegserlebnisse war er bei der Stadtjugend sehr beliebt. Sie begrüßten ihn schon von Weiten mit einem lauten "Hummel-Hummel" . In die Wohnung dieses Hummel zog nach dessen Tod der Wasserhändler Bentz. Seine seelische Verfassung und seine äußere Erscheinung trugen dazu bei, ihn als komische Figur anzusehen, womit er die Aufmerksamkeit der Straßenjungen erregte. Da "hummeln" auch soviel wie murmeln, brummen bedeutet, übertrugen sie den Namen ihres Soldatenidols auf ihn als Spitznamen.

Bentz beschimpfte jedoch die kleinen Spötter unflätig mit einem lauten "Mors - Mors"! (Mors ist der nieder-deutsche Ausdruck für das Götzzitat). Er merkte nicht, dass er durch seinen Zorn und die stets gleiche Antwort die Jungen immer aufs Neue veranlasste, ihm ihr "Hummel -Hummel" entgegenzurufen. So wurde schon zu Bentzens Lebzeiten der Hummelruf und seine Antwort zum Allgemeingut der Hamburger.

 Kibbelkabbel - Stock und Stöckchen

Kibbelkabbel - So wurde ein Kinderspiel im Freien genannt, das ohne großen Aufwand viel Freude bereitete. Man benötigte dazu lediglich einen Kibbel, einen rund zehn Zentimeter langen Stock, der mit dem Taschenmesser an beiden Enden angespitzt worden war, und einen Kabbel, einen einfachen längeren Stock. Der Kibbel wurde quer über ein Loch im Erdboden gelegt und mit dem Kabbel in die gegnerische Hälfte geschleudert. Fing dort ein Spieler das Wurfgeschoss, gab es Punkte, und der Fänger durfte versuchen, beim Zurückwerfen den niedergelegten Kabbel zu treffen. Gelang das, war der Schläger af (= ab, am Ende) und musste ausscheiden, im anderen Fall schlug er auf das spitze Ende des Kibbels, so dass dieser hochsprang. Je häufiger er mit dem Kabbel in der Luft getroffen wurde, desto mehr Punkte wurden gezählt.

 Swutsch - Irgendwo unterwegs

Swutsch - Wer up 'n Swutsch geht, verlässt sein Heim, um sich, meist nicht allein, etwas zu amüsieren und zu entspannen, ohne festes Ziel irgendwo einzukehren oder ganz einfach vor dem Schlafengehen noch eine Runde zu drehen. Wenn der Vater up 'n Swutschwar, klang das nach einem Zug durch die Gemeinde mit Köm, Bier und Grog, wenn die Tochter up 'n Swutsch war, sollte man eher in Richtung Kökschenball oder an das Händehalten mit einem Jüngling im Strohhut denken. Der Begriff beinhaltet in Hamburg ein augenzwinkerndes Verständnis für die kleinen Freuden und Schwächen der Mitmenschen, obwohl das ndd. Verb swutschen so viel wie "leicht, liederlich und ausschweifend leben und feiern", "sich herumtreiben" oder "leicht und schnell vorankommen" bedeutet.

 Rundstück - Hamburger Brötchen

Rundstück - Ein richtiges Hamburger Brötchen wird mit weißem Mehl gebacken, sein Äußeres ist rund bis leicht länglich, es hat weder Kniff noch Falte, und dieses glatte runde Stück heißt an der Elbe eben Rundstück. So wurde es bereits kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg von Hamburger Bäckern angeboten - und kein echter Hamburger kennt das anders.

Wer aber irgendwo in fernen deutschen Landen, wo die dortigen Einwohner von Brötchen, Schrippen, Semmeln oder noch fremdartigeren Gebilden reden, allerdings nach einem "Rundstück" oder gar nach einem "Runds-tück" mit spitzem norddeutschen s-t verlangt, muss auf die verständnislose Rückfrage gefasst sein: "Was, bitte, wollen Sie?" In Hamburger Gaststätten wurde früher als schnell zubereitetes Zwischengericht häufig "Rundstück warm" angeboten. Dafür schnitt man ein Rundstück in zwei Hälften, belegte sie mit Scheiben von Schweine- und Rinderbraten und übergoss das Ganze mit warmer, dunkler Bratensoße.

 Tschüs - Gruß zum Abschied

Tschüs - Inzwischen versteht man in ganz Deutschland den Abschiedsgruß "Tschüs!", der so schön kurz und prägnant ist, aber ursprünglich war er vor allem im Norden und gerade in den Hansestädten zu hören.

Fremde Seeleute gebrauchten häufig das spanische a dio´s ("Gott befohlen"). Auf Französisch hieß es adieu, und wie viele französische Ausdrücke wurde er in Hamburg während der Franzosenzeit (1806-1814) ins Plattdeutsche verballhornt. Man verabschiedete sich erst nachäffend, dann ohne bewussten Bezug zum Ursprung mit adjüs. Dieser zweisilbige Ausdruck schliff sich in der Umgangssprache zu einem einfachen Tschüs ab, das wir nach neuer Rechtschreibung groß und mit s statt ß schreiben (Tschüs sagen).

 Udel - Im Dienst geschlafen

Udel - Diesen Spottnamen trugen die Hamburger Polizisten bis weit in das letzte Jahrhundert hinein, bevor er durch die weniger schöne und abwertende Bezeichnung Bulle ersetzt wurde. Als die Nachtwache 1876 aufgelöst worden war, übernahmen die Konstabler genannten Polizisten deren Aufgabe. Im Volksmund übernahmen sie aber auch gleich die gängige Bezeichnung für die Nachtwächter: Uhlen für das plattdeutsche Eulen, Nachteulen, woraus umgangssprachlich Uhle, Udl oder Udel wurde. Die im Nebenberuf tätige Nachtwächtertruppe war wie die Eule zwar des Nachts unterwegs gewesen, aber man unterstellte den unmotivierten und schlecht bezahlten Wächtern, anders als der Vogel im Dunkeln gar nichts zu bemerken und ab und zu im Dienst sogar ein Schläfchen zu halten.

 Fellvoll - Prügel beziehen

Fellvoll - Ein Fellvoll bekommen bedeutet in Hamburg so viel wie eine Tracht Prügel beziehen, die nicht nur bei Kindern und Jungs unter sich, sondern durchaus auch einmal vom Vater oder Lehrer, als das noch nicht verpönt und verboten war, am widerspenstigen Nachwuchs vorgenommen wurde. Man sprach von "Dat Fell (die Haut) versahlen, dat Fell vullkriegen". Solche Abreibung konnte auch als Jackvoll oder im Straßenjargon als Arschvoll bezeichnet werden. "Dat Fell versupen" bedeutete übrigens, beim Leichenschmaus ordentlich hinzulangen, und jemandem "dat Fell över de Ohrn trecken (ziehen)" hieß, jemanden auszunehmen, auf üble Weise zu betrügen oder auszunutzen.

 Putzbüdel - Für Bart und Haare

Putzbüdel - Leicht abfällig gebrauchter Begriff für den Barbier (Friseur; wörtlich: "Putzbeutel"), den die Vertreter dieses Handwerks gar nicht so gern hörten. "Ik mutt al wedder to 'n Putzbüdel" hieß, es sei wieder Zeit zum Haareschneiden. Die Barbierstuben waren von außen durch einen am Stock aufgehängten glänzenden Metallteller erkennbar, der die Dienstbereitschaft des Putzbüdels signalisierte. Vor allem deutete der Teller, auf dem der Rasierschaum geschlagen wurde, darauf hin, dass viele Männer sich beim Barbier zur Morgenrasur einfanden, um sich mit am Lederriemen geschärften Messer rasieren und einen eventuell vorhandenen Bart putzen ("nachschneiden, sauber machen") zu lassen. Deshalb sprach man auch vom Babutz, Bartschraper oder Snutenfeger.

 Bangbüx - Ängstlich wie Hasen

Bangbüx - Darunter versteht man in Hamburg Angsthase, obwohl die Übersetzung Angsthose lauten müsste. Aber nach der alten Volksweisheit macht sich die Angst ja manchmal sehr unangenehm in der Hose bemerkbar. Die Büx ist die Hose, bange ist ängstlich. Der Angsthase wird seit Jahrhunderten wie Hasenfuß auf das Stereotyp vom furchtsamen Hasen bezogen.

 krüsch - Lustlos im Spinat

krüsch - Wenn Klein Erna ihren Spinat nicht essen wollte, lustlos in der Buchweizengrütze ohne Zucker und mit Magermilch oder im pampigen Kartoffelmus herumstocherte, sagte Mutter Puvogel: "Nu sei maa nich so krüsch!", was bedeutete: Nun sei nicht so wählerisch, iss, was auf den Tisch kommt! Das niederdeutsche Adjektiv krüsch = "wählerisch" ist wahrscheinlich aus der umgangssprachlichen Umstellung von kürsch (= kürisch) entstanden, das zu dem Verb küren = "wählen, ausprobieren" gehört.

 Klein Erna - Hamburger Deern

Bei Klein Erna handelt es sich um eine fiktive, aber typische Hamburger Deern (Mädchen), Schwester von Klein Bubi und Tochter von Frau Pumeier , deren Geschichten und Erlebnisse in Missingsch (Mischung aus Hochdeutsch und Platt) die Lebensart der breiten Hamburger Bevölkerung charakterisierten. Ein Beispiel? Familie Pumeier geht in Ohlsdorf bei Glatteis über den Friedhof, um die Urne mit der Asche einer verstorbenen Tante abzuliefern. Dauernd schlägt Klein Erna hin. Schließlich ruft sie: "Nu is aber Schluss mit die Pietät. Nu wird gestreut!" - Die Schriftstellerin Vera Möller (1911-1998) hat die Geschichten gesammelt und herausgegeben, darunter die fünfbändige Ausgabe "Klein Erna in Tüte".

Puschen - Bequem am Fuß

Puschen - Norddeutsche Kurzform für Pampuschen, was so viel wie weiche Filzpantoffeln oder Hausschuhe bedeutet. Daniel Tilgner leitet das Wort vom arabischen babusch über das franz. babouche ab, während Pantoffeln auf das ital. pantofola zurückführen. Ganz Deutschland kennt die Ausdrücke "Pantoffelheld" oder "unter dem Pantoffel stehen", die geradezu nach der Emanzipation des Mannes im häuslichen Bereich schreien. In Hamburg sagt man auch "Komm endlich in die Puschen!", wenn sich jemand beeilen soll. Als in den Fünfzigerjahren die ersten flimmernden Fernsehgeräte in den Wohnzimmern auftauchten und Mama und Papa es sich auf dem Sofa mit Bier, Knabberzeug und Puschen gemütlich machten, nannte man das Fernsehgerät spöttisch Puschenkino.

 Schute - Lastkähne im Hafen

Schute - Ein breites Boot ohne Kiel, Mast und Motor mit 50 bis 250 Tonnen Tragfähigkeit, mit dem im Hafen sowie auf Flüssen, Fleeten und Kanälen Ladung befördert wird. Offene Schuten bewegten Massengüter, Schuten mit Aufbauten auch Stückgüter. Mehrere Schuten konnten zu Paketen oder Schubverbänden zusammengestellt werden, wenn sie von Hafenschleppern gezogen werden sollten. Oft wurden abgetakelte Ewer - flachbodige Frachtsegler mit einem oder zwei Masten, die ein wichtiges regionales Transportmittel darstellten - als Schute genutzt. Deshalb heißt der Führer einer Schute in Hamburg Ewerführer. Im flachen Gewässer bewegte er sein Boot mit dem Peekhaken fort, einer drei bis sieben Meter langen Stange.

 Fleet - Kanäle in der Stadt

Fleet - In Hamburg werden die innerstädtischen Kanäle Fleete genannt (ndd. fleten = "fließen"), die der Hansestadt einen Anklang an Venedig beschert haben. Die Wasserläufe waren teilweise Mündungsarme von Alster und Bille in die Elbe, teils Überlaufgräben des aufgestauten Alsterbeckens, teils angelegte Gräben entlang der Straßen. Auf Schuten und abgetakelten Ewern wurde die Ladung auf den großen Fleeten zu den Speichern gebracht. Da man die Kanäle früher nicht nur zur Trinkwasser-Entnahme, sondern auch als Abort und Mülldepot benutzte, ergaben sich schlimme hygienische Zustände und pestilenzartiger Fäkaliengestank. Das Verkehrsnetz aus 29 Fleeten bei 18 Wasserstraßen wurde nach dem Großen Brand 1842 und nach 1945 im Innenstadtbereich auf fünf Fleete vermindert.

 Kloogschieter - Platt klingt hier besser

Kloogschieter - So wird in Norddeutschland jemand bezeichnet, der kloog (= klug, schlau, gescheit) und viel daherredet, ohne immer so klug zu sein, wie er zu sein vorgibt, eben ein Besserwisser, Neunmalkluger - oder sagen wir es direkt auf Hochdeutsch: ein Klugscheißer. Auf Platt klingen die Bezeichnungen Schiet, Schietkraam, etwa in Schietwedder (= Dreckswetter) und selbst in Schiethuus (= Abort), weit weniger drastisch und ordinär als in der wortwörtlichen hochdeutschen Übersetzung. Die Anrede "Mein kleiner Schieter" oder "Du Schietbüdel" kann sogar zärtlich gemeint sein.

 Pennschieter - Geizig oder sparsam?

Eine wörtliche Übersetzung dieses Ausdrucks verbietet sich, aber im übertragenen Sinne handelt es sich beim Pennschieter um einen Geizhals oder Geizkragen, eben um jemanden, der genau auf jeden Penn oder Penning ("Pfennig") schaut. Es soll Pennschieter gegeben haben, die Zündhölzer der Länge nach gespalten oder das Abendblatt nach dem Lesen in handliche Stücke geschnitten haben, wobei wir den Zweck hier auch nicht näher erörtern wollen. Der bekannteste Hamburger Pennschieter war der spätere Bürgermeister Herbert Weichmann zu seiner Zeit als Finanzsenator in der Behörde am Gänsemarkt (1957-65), der wegen seiner sparsamen Haushaltsführung auch "Dukatenscheich vom Gänsemarkt" genannt wurde.

 appeldwatsch - Quer und wunderlich

Eine Steigerung von dwatsch, etwa in "Dat is appeldwatsch", was so viel bedeutet wie "Dat ist dumm Tüch" ("dummes Zeug"). dwatsch ist der Missingsch-Ausdruck für das plattdeutsche dwars oder verdwars (ahd. dwerah, mhd. dwerch = "quer, querköpfig, verschroben, albern, wunderlich, schlecht gelaunt, grob, frech"; vgl. Zwerchfell = "Querhaut"). "Komm mi nich dwars" ist eine Warnung und heißt: "Komm mir bloß nicht dumm!" dwars un dweer ist "kreuz und quer", dwars kieken ist "schielen", Dwarsdriewer bedeutet "Dickkopf" oder "Quertreiber" und in der Seemannssprache einer, der sein Schiff falsch steuert. Ein Dwarslöper ist ein Tier, das dwars, also "quer" läuft; Hochdeutsche sagen "Krebs" dazu und im übertragenen Sinne "Querulant".

Moin - Gruß für Tag und Nacht

Richtige Hamburger grüßen mit einem "Moin! Moin", besonders Maulfaule begnügen sich vielleicht sogar mit einem gemurmelten einfachen "Moin!", wobei es sich um eine allgemeine Grußformel handelt, quasi um einen Gruß-Joker für - und das ist wichtig! - alle Tages- und Nachtzeiten. Falls Sie als Nicht- oder Gerade-eben-Hamburger so einen Gruß einfangen sollten, antworten Sie knapp mit "Moin!", notfalls auch mit "Morg'n!", oder tippen Sie, falls Sie sich damit verkleidet haben, nur kurz mit Zeige- und Mittelfinger an Ihren Elbsegler (Hamburger Schirmmütze), beginnen Sie aber um Himmels willen keine Diskussion über mitteleuropäische Zeitzonen, Tageszeiten oder Ähnliches. Das Adjektiv moi, etwa moi Weder (Wetter), bedeutet übrigens "angenehm, freundlich, gut, schön".

Labskaus - Essen der Matrosen

Ein traditionelles Gericht der Segelschiffzeit, das der Smutje (Schiffskoch) den Matrosen quasi als "täglich Brot" darbot, weil seine Grundbestandteile auch vor der Erfindung modernerer Konservierungsmethoden an Bord länger haltbar waren: Die Grundmasse bestand aus durchgedrehtem und aufgekochtem Pökelfleisch mit gestampften Kartoffeln, häufig mit gehacktem Salzhering, Zwiebeln und zerkleinerten Salzgurken verfeinert. An Land galt Labskaus (von engl. lobscouse) lange als Arme-Leute-Essen, bis es im Zuge nostalgischer Hinwendung zu alten Rezepten auf die Speisekarte aller traditionsbewusster Restaurants geriet. Labskaus wird jetzt meist mit Rollmops, Gewürzgurke, roten Beten und pro Portion mit einem Spiegelei serviert.

  Heiermann - Fünf Mark in der Hand

Die Bedeutung im Straßenjargon ist klar ("Fünfmarkstück"), die Herkunft weniger. Unter Umständen begegnen wir hier dem entrundeten Substantiv Heuer, also dem Handgeld, das Matrosen beim Anheuern bekamen - und das sie, wie Erzählungen bezeugen, oft noch schnell vor dem Auslaufen des Schiffes bei gewissen Damen anlegten, die gewisse Dienstleistungen für einen Heiermann anboten. Allerdings ist hei in der Händlersprache auch die Bezeichnung für fünf (he = fünfter Buchstabe im hebräischen Alphabet). Die Nachsilbe -mann dient im Nord- und Mitteldeutschen häufig der Verstärkung des im ersten Wortteil Genannten.

 Lütt un Lütt - Korn und kleines Bier

Viele werden sich noch erinnern, wie Henry Vahl als Schustergeselle Matten im Ohnsorg-Theater auf die fünf Mark Trinkgeld des Bürgermeisters guckte, die er als vermeintliche Bestechung eigentlich wegwerfen wollte, dann aber ausrechnete, wie viele schöne Lagen Lütt un Lütt er dafür in seiner Stammkneipe bekommen würde. Auf Hochdeutsch "Klein und Klein", ist Lütt un Lütt ein kleiner Köm (2 cl) und ein kleines Bier (0,25 l), mit dem nachgespült wurde. Für Nichthamburger: Köm bedeutet "Kümmel", Korn, klarer Schnaps, die Eck- oder Stehkneipe wurde dementsprechend Köminsel genannt. Lütt un Lütt oder Köm un 'n Beer müsste auch heute noch jeder richtige Hamburger Wirt kennen - in feineren Etablissements könnte man es sonst ja einmal mit der Bestellung eines Herrengedecks versuchen.

 Kiez - Was "Kiez" bedeutet

In Hamburg bedeutet Kiez in der Umgangssprache das Vergnügungsviertel auf St. Pauli rund um die Reeperbahn und die Große Freiheit, während in Berlin der Stadtteil, in dem man zu Hause ist und der eine eigene Identität entwickelt hat, so genannt wird. kiez oder kietz ist im Slavischen zunächst bezeugt als "Ort, wo die Fischer wohnen" und wurde dann auf die den Burgen vorgelagerten Siedlungen niederer slavischer Dienstleute angewendet. Daraus entstand im Volksmund der spöttische Begriff Kiez für ärmliche Vorstadt. Inwieweit diese Bedeutung heutzutage auf St. Pauli zutrifft, mag ein jeder durch eigenen Augenschein entscheiden.
Sottje - Schwarz vom Ruß
Sottje - Ein Schornsteinfeger wurde im Hamburger Volksmund scherzhaft Sottje genannt, außerhalb der Stadt im Holsteinischen auch Sottjer oder Suttje. Diese Bezeichnung geht natürlich auf das plattdeutsche Wort Sott für "Ruß" zurück (sotten = rußen, schwärzen), den zu entfernen ja die Aufgabe des Schornsteinfegers war und´ der an dessen Arbeitskleidung, Gesicht und Händen haften blieb. Er war ein schwarzer Mann, wie die Angehörigen besonders schmutztreibender Berufe genannt wurden, und diente im Alltag sowohl als angeblicher Glücksbringer (mit Zylinder) als auch als Kinderschreck ("Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?"). Ein Sottbalken ist übrigens ein Rauch- oder Räucherbalken, also ein geschwärzter Balken über der Feuerstelle.

 Tallymann - Zählen mit Kerbholz

"Come, Mister Tallyman, tally me banana", sang Harry Belafonte auf Jamaika, aber auch im Hamburger Hafen gibt es den Tallymann, der heute mit den ehemaligen Lehrberufen Warenkontrolleur und Quartiersmann das Berufsbild des Seegüterkontrolleurs ausmacht. Ein Tallymann prüft im Auftrag des Reeders die Ladung an Bord auf Stückzahl, Masse, Markierung und äußerliche Beschaffenheit - zur Segelschiffzeit zünftig in Gehrock, Melone, steifem Kragen und mit dem Arbeitsgerät, der fünf Fuß langen Messlatte (1,52 m). Der Name geht auf das englische Wort tally zurück, was so viel wie "Kerbholz" bedeutet: Die Anzahl der Ladungsstücke wurde in das Holz eingekerbt. Auch Wirte zählten einst ähnlich, um zu wissen, was der Zecher auf dem Kerbholz hatte.

 Snuten un Poten - Mit Kraut und Mus

"Schnauzen und Pfoten", also die Teile vom Kopf und Fuß des Schweins, die bei der Herbstschlachtung in Salzlauge haltbar gemacht (gepökelt) wurden, dienten zu Zeiten, als die Tiefkühltechnik noch nicht jeden Haushalt erobert hatte, der Resteverwertung und dem Speisezettel in der kalten Jahreszeit. Die Snuten un Poten mussten erst zwei bis drei Stunden, möglichst zusammen mit Zwiebeln, Lorbeerblatt, einigen Wacholderbeeren und Pfefferkörnern, im geschlossenen Topf kochen. Dann wurde das Fleisch abgelöst und mit dem eingelegten Sauerkraut aufgekocht. Dazu gab es Kartoffelmus (oder Erbspüree), in das Mutter zerlassenen Speck mit gerösteten Zwiebeln füllte.

 Elbsegler - Mütze für die Küste

Hierbei handelt es sich um kein Segelschiff auf der Elbe, sondern um eine dunkelblaue Schirmmütze, die an Bord, aber auch an Land von Leuten getragen wird, die eine gewisse Affinität zum Salzwasser signalisieren wollen. Der Elbsegler ist aus Marinetuch gefertigt, hat einen drei Zentimeter hohen Rand mit Verzierungen und einen Lederriemen, der unters Kinn geklemmt werden kann, damit die Mütze bei Sturm nicht in die Elbe geweht wird. Wenn sie größer und mit einer Kordel an Stelle des Riemens versehen ist, spricht man von einem Altstädter. Niemand konnte ihn besser tragen als Hans Albers im Film "Große Freiheit Nr. 7", während Helmut Schmidt als Kanzler nicht mit einem Elbsegler, sondern mit einer Helgoländer Lotsenmütze auf dem Kopf unterwegs war.

Sabbelbüdel - Dumm Tüch reden

Wer viel redet und trascht und dabei eine gehörige Portion dumm Tüch (dummes Zeug) von sich gibt, wird in Hamburg Sabbelbüdel genannt. Es gab auch einen Begriff für die weibliche Form solcher Mitmenschen: Sabbeljette, wobei dieser Ausdruck genau genommen die Verballhornung des französischen Serviette (Mundtuch) gewesen sein soll. Die Verben sabbeln oder vulgär sabbern haben ursprünglich etwas mit dem Mund und dem Speichel darin zu tun und lassen sich mndd. mit geifern übersetzen. Möglich ist auch eine Abwandlung aus schlabbern. Um so einen plattdeutschen "Dampfplauderer" zu stoppen, fährt man ihm mit "Hol dien Sabbel!" oder "Sabbel di doot!" über den Mund.

 He lücht! - Tühnkram im Hafen

Dieser Ausspruch heißt auf Hochdeutsch Er lügt! und wurde und wird auch heute noch von Arbeitern und Seeleuten auf den Kais, Docks und großen Pötten den Passagieren zugerufen, die auf Barkassen und Schiffen in Hamburg eine Hafenrundfahrt machen und dabei den Übertreibungen, den Döntjes (Anekdoten) und dem Tühnkram (Flunkereien) der Fremdenführer am Mikrofon ausgesetzt sind. Den Landratten kann man nämlich allerlei erzählen . . .

He lücht! wandelte sich von einem Ausruf zur Berufsbezeichnung. "Wussten Sie, verehrte Herrschaften, dass man vom Turm des Michel drei Meere sehn kann? Wie dat? Tags das Häusermeer, abends das Lichtermeer und inne dunkle Nacht gornix mehr!"
Rummelpott - Von Tür zu Tür
Rummelpott - Weit verbreitet war früher die Kindersitte zu Silvester, "Rummelpott zu laufen". Die Kleinen verkleideten sich, zogen in Gruppen von Tür zu Tür und baten um kleine Geschenke sowie um Snopkram (plattdeutsch snopen = naschen). Dabei sagten sie kurze Verse auf, etwa: "Rummel, rummel, rooken, schenk mi 'n Appelkoken!" Das plattdeutsche rummeln bedeutet "poltern, Lärm machen", und das taten die Kinder, indem sie an einem mit einer Schweinsblase überzogenen Topf (Pott oder Putt) einen Stock auf und ab bewegten. Dabei entstand ein brummendes Geräusch, so dass jeder wusste: "Der Rummelpott ist da!" Meistens lagen bereits einige vom Weihnachtsfest nachgebliebene Süßigkeiten bereit.
Duckdalbe - Pfähle in den Hafen gerammt
Duckdalbe - Die Rammpfahlgruppen zum Festmachen der Schiffe im Hafen nennt man Duckdalben, auch Duckdalven oder Düükdalven geheißen - in Hamburg, aber nicht nur in Hamburg.
Wie viele Begriffe, die in der Seefahrt und an der Küste benutzt werden, scheint die Bezeichnung aus dem Niederländischen übernommen worden zu sein: dukdalf, wohl zu dallen (= "Pfähle") und ducken (= "sich neigen, tauchen"), also "geneigte Pfähle" oder "eingetauchte Pfähle".
Ein Beleg aus dem Jahr 1740 spricht für die Pfahlgruppe von Duc d'Alben, ein weiterer aus Amsterdam von duc Dalba (1568). Das weist auf den Herzog von Alba (Duc d'Alba - 1507 bis 1582) hin, der die Niederlande für Spanien unterworfen hatte. Die Erläuterung auch hier: "Pfahlgruppe, die zur Befestigung von Schiffen in den Hafen eingerammt ist".
Doch diese verbreitete Erklärung ist sicher sekundär und mehr als eine Lautspielerei zwischen dem spanischen Duc d'Alba und Duckdalben zu werten.

Alsterwasser - Bier und Limonade

Alsterwasser - An einem Sonntag im Juni 1922 sah sich Franz Xaver Kugler, der Wirt einer Ausflugsgaststätte vor den Toren Münchens, einem großen Ansturm einkehrender Radfahrer gegenüber, so dass ihm seine Biervorräte auszugehen drohten. Er streckte das Bier für die durstigen Radler mit Zitronenlimonade, was sich als überaus erfrischend erwies. Das neue Getränk verbreitete sich rasch als Radler und wurde in Norddeutschland wegen seiner reinen und hellen Farbe Alsterwasser genannt. Wirklich, gemeint ist das Hamburger Binnengewässer, das damals eine Farbe gehabt haben muss, wie es sie später nicht mehr hatte und heute noch nicht wieder hat. Die beiden Namen streiten in Deutschland um Alleingültigkeit, so dass manche Brauereien, die den Bier-Limonade-Mix fertig in Flaschen vertreiben, vorn Radler und hinten Alsterwasser auf die Etiketten schreiben.

 Peterwagen - Falsch verstanden

Peterwagen - Warum heißen die Polizeieinsatzfahrzeuge in Hamburg Peterwagen? Als 1946 die ersten Funkstreifenwagen genehmigt werden sollten, so genannte "Radiowagen", stand ein deutscher Sachbearbeiter vor dem Kontrolloffizier der britischen Besatzungsmacht und versuchte, ihm klar zu machen, worum es sich handelte. "Patrolcars, Sir!" Der Offizier verstand das Hamburger Englisch nicht und ließ sich buchstabieren: "Listen, Sir, ,P' like Peter . . ." Der Offizier hatte genug gehört: "Oh, I know, Peterwagen!" Er notierte diese Bezeichnung für die ihm unbekannten Autos und gab das Gesuch auf dem Dienstweg weiter. So wurden die Radiowagen zu Peterwagen - und blieben es bis heute.

 klönen - Gemütlich plaudern

klönen - Wer klönt (ndd. klönen = "reden"), der plaudert behaglich, unterhält sich unter Freunden und Bekannten, verweilt bei einem Klönschnack (ndd. schnacken oder snacken = "sprechen"). Die gemütliche Komponente bekam das Klönen erst in neuerer Zeit, denn im 18. Jahrhundert verstand man etwa unter "Klön mi nich de Ohren vull" so viel wie: "Verschone mich mit deinem Gejammer." Wer hingegen tratscht oder klatscht (tratschen, klatschen = "schwätzen"), der zieht über andere her, verbreitet Gerüchte und Bosheiten, der sludert, verbreitet Sluderkraam (ndd. sludern = "übel nachreden, verleumden"). Hervorragend konnte Heidi Kabel solche Tratschweiber auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters darstellen, etwa im Stück "Tratsch im Treppenhaus".

Grog - Rum muss, Wasser kann

Ein typisches Heißgetränk, das in Hamburg als Stieben für "steifer Grog" weit verbreitet war und mit dem Schnack ("Spruch") "Rum muss, Zucker darf, Wasser kann" hinlänglich beschrieben ist: einen Stößel oder Teelöffel in ein Grogglas stellen, Zucker (etwa zwei TL) einfüllen, sprudelnd kochendes Wasser hinzugießen, umrühren, vier Zentiliter Rum (oder eben mehr) hineinkippen, wieder umrühren und genießen. Angeblich geht der Ausdruck auf den englischen Admiral Vernon zurück, der "Old Grog" genannt wurde und seine Matrosen anwies, ihre Rumration mit Wasser zu mischen. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter das westindische Wort grog für eine Mischung aus Rum und Wasser. Das engl. groggy ("erschöpft") bedeutet so viel wie "vom Grog betrunken".
vigeliensch - Verzwickte Situation
vigeliensch - Wenn eine Sache oder Angelegenheit als vigeliensch bezeichnet wird, so meint der Hamburger, dass sie knifflig oder verzwickt ist. Das Wort wird auch im Sinne von hinterhältig, verrückt, schlau, durchtrieben, gewandt oder geschickt gebraucht. "Dascha vigeliensch!", sagt man. Das Ganze hat etwas mit der Violine zu tun, die auf Plattdeutsch Vigelien heißt und die bekanntlich nicht so leicht zu beherrschen und zu spielen ist, ohne dass es schlimme Misstöne gibt. Wer es dennoch schafft, hat es vigelant - also geschickt - hinbekommen. "Dat speelt keen Vigelien" bedeutet: "Das spielt keine Rolle", und im Hochdeutschen wie im Niederdeutschen kennen wir die Ausdrucksweise "Die erste Geige spielen" oder "Das Sagen haben", die auf Platt "De eerst Vigelien spelen" lautet.
Altona - All to nah bi Hamborg
Jeder kennt den westlichen Bezirk Altona, der heutzutage ein entscheidender Teil der Freien und Hansestadt Hamburg ist. Er wurde aber erst 1937 mit dem Vollzug des Groß-Hamburg-Gesetzes eingemeindet, und zwar als bis dahin selbstständige Großstadt in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. 1640 war die Stadt unter dänische und 1866 unter preußische Herrschaft gekommen. Die Keimzelle soll aber eine Rotbierkneipe in der Grafschaft Pinneberg gewesen sein, die 1536 ein Mann von der nicht mehr existenten Insel Grevenhof gegründet hatte und um die herum sich Handwerker und Fischer ansiedelten - nach Ansicht des Hamburger Rates all to nah ("allzu nah") an der Stadtgrenze.
Tante Meier - Beeten schenierlich
Bei diesem Ausdruck handelte es sich keineswegs um die Verwandtschaftsbezeichnung innerhalb einer Familie mit weit verbreitetem Namen: In Hamburg bedeutet "Ich geh ma ehm nach Tante Meier" nichts anderes als die Absicht, austreten, zur Toilette gehen zu wollen. Die Klarform wurde als zu schenierlich (peinlich) empfunden. Allerdings war die Toilette früher nicht so bequem zu erreichen und zu benutzen wie heute. Es galt schon als Komfort, wenn sie am Treppenabsatz für mehrere Mietparteien untergebracht war, aber häufiger war sie im Häuschen auf dem Hof mit Eimer oder Grube unter dem Sitz zu finden. In freier Natur ging man nicht nach Tante Meier, sondern zu Mudder Gröön.
bregenklöterig - Klappern im Kopf
Wer bregenklöterig oder brägenklüterich ist, ist "schwachsinnig, verwirrt, verrückt", "trübsinnig" oder "benommen". "Opa is all bannich bregenklöterig", soll andeuten, dass der alte Mann nicht mehr alles auf die Reihe bringt und ein bisschen tüterig ist. Der Bregen ist das Gehirn oder der Schädel (vgl. engl. brain), klötern heißt "klappern, rasseln", so dass im Plattdeutschen bei der Zusammensetzung zum Adverb wieder einmal ein überaus anschaulicher Ausdruck entstanden ist für den Zustand, bei dem "das Gehirn im Schädel klappert".
Missingsch - Hochdeutsch mit viel Platt
So wurde die Mischung aus Plattdeutsch und Hochdeutsch genannt, die in Norddeutschland früher häufig zu hören war, in Hamburg hauptsächlich in den Arbeiter- und Hafenvierteln, wobei die Sprecher mit s-pitzer Zunge über den s-pitzen S-tein s-tolperten. Vera Möller (1911 bis 1998) in ihrer Sammlung über Klein Erna und der Schriftsteller Dirks Paulun (1903 bis 1976; "Wommasehn!") schrieben perfektes Hamburger Missingsch. Kurt Tucholsky (1890 bis 1935) liefert uns in seinem "Schloss Gripsholm" eine unübertreffliche Definition des Begriffs: "Missingsch ist das, was herauskommt, wenn ein Plattdeutscher hochdeutsch sprechen will. Er krabbelt auf der glatt gebohnerten Treppe der deutschen Grammatik empor und rutscht alle Nase lang wieder in sein geliebtes Platt zurück."

Seemannsgarn - Nicht wahr, aber schön:   Seemannsgarn - An Bord der Segelschiffe mussten die Matrosen, wenn Zeit war oder Flaute herrschte, Seemannsgarn spinnen, aus altem Tauwerk dünnes Kabelgarn zum Bekleiden der Trossen und Taue drehen. Dabei wurden Döntjes (plattdeutsche Anekdoten) und Geschichten erzählt, langatmig, häufig geflunkert (flunkern = lügen, prahlen) und in der Regel ohne großen Tiefgang. Wenn so ein Seemann an Land in dieser Weise seine meist nicht der Wahrheit entsprechenden, aber eindrucksvollen Erlebnisse mit Klabautermännern (Schiffskobolden), Piraten, Meerungeheuern und Kannibalen zum Besten gab und die Landratten mit großen Augen an seinen Lippen hingen, war er dabei, im übertragenen Sinne Seemannsgarn zu spinnen.

bruttig - Vor dem Gewitter
bruttig ? Wenn man in Hamburg sagt, die Luft sei bruttig (oder bruddich ), so bedeutet das, dass die Wetterlage schwül gewittrig brütend und drückend ist. Die Luft „steht “, es weht keine frische Brise, der Kreislauf wird belastet, die geringste Anstrengung führt zur Erschöpfung, und selbst die Einkehr in ein Freiluftrestaurant ist keine reine Freude mehr. Es droht ein Gewitter, unter diesen Umständen sogar ein „reinigendes Gewitter “. bruttig hat natürlich etwas mit dem Verb „brüten “zu tun, das schon im ahd. bruoten die Bedeutung „brüten, wärmen, braten“ hatte.

Rudolf Kinau - Bruder von Gorch Fock

Rudolf Kinau - Dem Sohn eines Schiffers aus Finkenwerder war es nicht in die Wiege gelegt, ein bekannter niederdeutscher Schriftsteller zu werden. Am 23. März 1887 geboren, half er nach dem Besuch der Volksschule einige Jahre bei der Elbfischerei, besuchte die Seemannsschule und diente in der Marine, bevor er Prokurist der Fischauktionshalle wurde. 1916 griff er zur Feder und schrieb einen Nachruf auf seinen Bruder Johann Wilhelm Kinau (1880 bis 1916), dessen Romantitel "Seefahrt ist not!" zum Schlagwort seiner Zeit geworden war: Wir kennen den Bruder alle unter dem Pseudonym Gorch Fock; er fiel in der Seeschlacht am Skagerrak. Rudolf Kinau veröffentlichte bis zu seinem Tod am 19. November 1975 33 Bücher sowie Hörspiele und Theaterstücke. Viele werden sich an ihn noch als plattdeutschen Erzähler im Rundfunk erinnern ("Hör mal 'n beten to").

Blankenese - Wohnen am Hang

Blankenese - Alter Siedlungsort an der Elbe mit dem Sollonberg (Süllberg), auf dem Erzbischof Adalbert von Bremen 1060 eine Propstei und die Grafen von Holstein, Stormarn und Schauenburg später eine Burg bauen ließen, die beide von den Hamburger Kaufleuten zerstört wurden, weil sie zur Herberge von Wegelagerern und Raubrittern geworden waren. Der Name Blankenese geht auf das ndd. blanc ness zurück, was so viel wie eine weiße, sandige Landzunge ("Nase") im Fluss bedeutet, die heute nicht mehr vorhanden ist. Das ursprüngliche Fischerdorf hat sich mit seinen Villen, Grünanlagen und der typischen Hangbebauung mit den kleinen Häusern für Fischer, Lotsen und Seeleute zu einem exklusiven Wohnviertel entwickelt und bis heute ein unverwechselbar liebenswertes Ambiente bewahrt. Blankenese kam 1927 zu Altona und wurde 1937 zusammen mit Altona nach Hamburg eingemeindet.

Fischmarkt - Trubel am Sonntag

Fischmarkt - Wer heute in Hamburg vom Fischmarkt spricht, meint die Attraktion für Touristen und Einheimische sonntags von 4.30 bis 9.30 Uhr auf dem Gelände des ehemaligen Altonaer Fischmarktes am östlichen Teil der Großen Elbstraße. Zwar gibt es auch heute hier und da noch Fisch zu kaufen, aber das volksfestartige Treiben für Frühaufsteher, Nachtschwärmer und vom Kiez-Bummel übrig Gebliebene ähnelt mit seinen Buden, Ständen, Ausrufern, Imbiss-Wagen, Blumen, Früchten, dem Tand und Plunder eher einer Mischung aus Volksfest und Flohmarkt. Kein Hamburger sollte versäumen, seine auswärtigen Gäste dorthin zu führen. Der erste Handelsplatz für Fisch war der Alte Fischmarkt in der Altstadt südlich der Petrikirche, dann der Hopfenmarkt, der St.-Pauli-Fischmarkt erst in Rivalität und dann vereint mit dem Altonaer Fischmarkt, wobei das damals selbstständige Altona vor der Eingemeindung zum größten Anlandeplatz der deutschen Fischfangflotte aufgestiegen war. Altona hatte 1895/96 seine eigene Fischauktionshalle gebaut, die - im Krieg stark beschädigt - 1982 bis 84 restauriert wurde und seitdem Veranstaltungszentrum ist.
Feudel, Leuwagen - Hamburger unter sich
Feudel, Leuwagen usw. - Ein Feudel ist der Scheuerlappen, mit dem der Boden <gefeudelt (aufgewischt) wird (ndd. Feueldoog). Der Feudel wird nicht über einen Schrubber gelegt, sondern über einen Leuwagen (Scheuerbürste mit langem Stiel), nachdem er in das Wasser des Feudeleimers eingetaucht und mit großem Körpereinsatz ausgewrungen worden ist. Der Eimer wurde am Handstein gefüllt und geleert (Ausguss mit hoch angebrachtem Wasserhahn). Zum Reinigen von Tisch, Geschirr und Herd diente das Fatuch (Wischtuch, Fatt-Doog = "Schüsseltuch"). Zum Aufnehmen des Zusammengefegten hantiert man mit Handeule und Schaufel (Handfeger und Kehrblech) - früher wurden die Flügelfedern der Eule dazu benutzt.
kattameng - Zwei Hände mehr
kattameng - "Dat geiht nur kattameng!" oder "Dat mök wi kattameng" bedeutet in Hamburg die Aufforderung, mit anzupacken, etwas zu zweit zu erledigen, weil es für eine einzelne Person allein nicht oder nur schwer zu schaffen wäre. Es handelt sich hier um die phonetische Übernahme eines französischen Begriffs in die Umgangssprache: à quatre mains heißt "zu vier Händen" oder "vierhändig auf dem Klavier zu spielen".
Schulterblatt - Knochen vom Wal
Schulterblatt - Die Straße Schulterblatt im Grenzbereich von St. Pauli, Altona und Eimsbüttel erhielt 1841 offiziell diesen Namen, der aber im Volksmund bereits seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich war. Er geht zurück auf ein Wirtshaus, in dem Seeleute und vor allem Walfänger verkehrten. Der Wirt hatte sich das Schulterblatt eines Wals mitbringen lassen, es bunt bemalt und als nicht zu übersehendes Aushängeschild vor seine Gaststube gehängt. Damals spielte der Walfang, der heute mit Recht unterbleiben muss, eine wichtige Rolle im Hamburger Wirtschaftsleben, und neben Walöl, Fischbein und Walfleisch fanden Walknochen und Walfischrippen eine praktische Verwendung im Alltag, etwa als Tor- und Eingangsbogen oder als Abweiser am Rande der Fußwege.
Köhlbrand - Fahrrinne nach Süden
Köhlbrand - Der Köhlbrand, die mehr als 300 Meter breite Fahrrinne zwischen Süder- und Norderelbe, entstand im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts, als schwere Sturmfluten die Elbinsel Gorieswerder in zwei Teile getrennt hatten. Der Name rührt daher, dass an seinen Ufern Köhler Holzkohle brannten und an die Schiffer verkauften. Bis ins 19. Jahrhundert war der Köhlbrand ein Werftenstandort. Nach dem 3. Köhlbrandvertrag zwischen Preußen und Hamburg von 1908 wurde der Elbarm vom heutigen Kohlenschiffhafen 600 Meter westlich verlegt und auf damals 8,40 Meter vertieft. Die Landzunge Köhlbrandhöft mit dem 1961 errichteten Klärwerk trennt die alte von der neuen Durchfahrt, die nicht zu verfehlen ist: Ein Wahrzeichen Hamburgs, die Köhlbrandbrücke, überspannt weit sichtbar den Elbarm.
Mit Zucker bestreut Appelpankoken
Appelpankoken - Wie man Pankoken ("Pfannkuchen") eigentlich nicht essen sollte, hat uns Henry Vahl als "Schneider Nörig" im Ohnsorg-Theater unvergesslich vorgemacht: zu heiß, zu kalt, zu süß, mit "zweierlei" Marmelade - dem alten Gnatterbüdel ("Nörgler") war nichts recht, obwohl seine Tochter (Hilde Sicks) sich alle Mühe gegeben hatte: 250 g Mehl mit vier Eiern, 3/8 l Milch und Salz zu einem glatten Teig verrühren und 30 Minuten quellen lassen. Margarine in der Pfanne erhitzen, den Boden flach mit Teig bedecken, bei Appelpankoken mit Apfelspalten belegen, anbacken, dann wenden und die andere Seite backen, warm servieren und mit Zucker bestreuen. Zum Wenden nehmen Sie am besten einen Pfannenheber und versuchen keinen schwungvollen Salto aus der Pfanne heraus.
Matjes - Jung, mild und zart
Matjes - Eine vom niederländischen maatjesharing (eigentlich: "Mädchen-Jungfern-Hering") abgeleitete norddeutsche Bezeichnung für einen noch nicht geschlechtsreifen Hering, der weder Milch noch Rogen enthält und Ende Mai bis Mitte Juni in Salzlauge eingelegt ursprünglich aus Irland, Schottland oder Holland geliefert worden ist. Die "Matjes-Zeit" wurde auch in Hamburg sehnsüchtig erwartet, die Gaststätten änderten die Speisekarte, und Mutter kennt viele verschiedene Rezepte und Variationen. Man verspeist die milden Filets entweder ganz ohne was, verarbeitet sie zu Tatar oder serviert sie "nach Hausfrauenart" mit einer Soße aus Äpfeln, Zwiebeln und Sahne. Dazu gibt es Pellkartoffeln oder Schwarzbrot.
Quartiersmann - Zu viert im Speicher
Quartiersmann - Eine Hamburger Bezeichnung für einen Lagerunternehmer, der Schiffsladungen wie beispielsweise Kaffeebohnen, Tee oder Gewürze sortierte, begutachtete, Muster anfertigte und dann sachkundig zwischenlagerte, früher in mehrstöckigen Speichern in den alten Lagerhauskomplexen, während die Firmen heute wegen des schnellen Güterumschlags fast alle aus der Speicherstadt in ebenerdige Lagerräume umgezogen sind.
Quartiersleute heißen nicht so, weil sie den Waren ein "Quartier" (lat. quartarius = Viertel, Unterkunft) gaben, sondern weil sie sich traditionell zu Vierergruppen zusammenschlossen (lat. quattuor = vier), die nach dem Vormann benannt wurden, wobei die Teilhaber als Consorten firmierten. Das ergab dann so schöne Bezeichnungen wie zum Beispiel Wilh. Meyer & Cons. GmbH.
Hamburgensie - Nur in Hamburg
Hamburgensie - Eine Hamburgensie ist etwas unverwechselbar auf Hamburg Bezogenes, nur oder hauptsächlich in Hamburg Vorkommendes. Im engeren Sinne galt der Begriff für die pittoreske grafische Darstellung Hamburger Motive (Peter Suhr, 1829, Wilhelm Heuer<, 1853-64), dann für Bücher mit Hamburger Bildern und über Hamburgs Stadtgeschichte, darüber hinaus für Besonderheiten der Hamburger Verwaltung ("Ewiger Senat" bis 1996) oder Hamburger Lebensart. Mit etwas Verwegenheit könnte man die Stichwörter dieser Rubrik Hamburgensien nennen. Es gibt sogar Leute, die bezeichnen die proprietäre Schreibung des Thalia Theaters ohne Bindestrich als Hamburgensie, obwohl es sich hierbei um keine Hamburgensie, sondern schlicht um einen Fehler handelt.
Lili Marleen - Vor der Kaserne
Das berühmteste Soldatenlied aller Zeiten ("Vor der Kaserne, vor dem großen Tor") wurde von dem Hamburger Lehrer und Dichter Hans Leip (1893 - 1983) verfasst, als er 1915 als Gardefüsilier eingezogen worden war. 1937 vertonte nach Rudolf Zink einer der Komponisten des Dritten Reiches, Norbert Schultze (geb. 1911, "Bomben auf Engelland"), erneut die sentimentalen Reime eingängig im Marschrhythmus. Sängerin war Liselotte Helene Bunnenberg aus Bremerhaven, die sich Lale Andersen (1905 - 1972) nannte. Der Start der Platte war ein Reinfall. Nur wenige Exemplare wurden verkauft, bis der deutsche Soldatensender Belgrad am 18. August 1941 das Lied zum ersten Mal spielte und seinen Erfolg bei allen Armeen und über alle Fronten hinweg begründete.
Hans Albers - Groß, blond, blaue Augen
Der "große, blonde Hans mit den blauen Augen", der Schauspieler, der in 500 Bühnenstücken und 176 Filmen zu sehen war, der Draufgänger, für den unsere Mütter und Großmütter schwärmten, der Sänger, der nicht gerade schön, aber so unverwechselbar La Paloma und Auf der Reeperbahn nachts um halb eins singen konnte, war ein echter Hamburger Jung. Hans Albers wurde am 22. September 1891 in St. Georg, Lange Reihe 71, geboren. Obwohl seit dem Blauen Engel (1930, mit Marlene Dietrich und Emil Jannings) ein Star der Ufa und 1943 Hauptdarsteller im Jubiläumsfilm Münchhausen, hielt er Distanz zum NS-Regime. Sein St.-Pauli-Streifen Große Freiheit Nr. 7 (1944) durfte im Reichsgebiet nicht gezeigt werden. Albers starb am 24. Juli 1960 am Starnberger See.
Oskar vom Pferdemarkt - Wucht in Tüten
Oskar vom Pferdemarkt - Mit Pferdemarkt ist der Bereich zwischen Thalia-Theater und Steinstraße gemeint, der 1946 in Gerhart-Hauptmann-Platz umbenannt wurde, und bei Oskar handelt es sich um ein Hamburger Original mit dem bürgerlichen Namen Fritz Krüger (geb. 11. April 1902, gest. 18. Februar 1969 in Hamburg).
Der gelernte Maschinenschlosser wuchs auf St. Pauli auf, bevor er zum "König der Straßenhändler" avancierte. Bis 1940 baute er seinen Stand ausgerechnet neben dem riesigen Karstadt-Warenhaus auf, das er spöttisch als "seine Filiale" bezeichnete. Wegen seiner flotten Sprüche war sein Stand immer dicht umlagert, obwohl er nur so banale Dinge wie Rasierklingen ("Na, Mutti, mal probiern?"), Blutstiller ("Erst in die Backe schneiden und dann auftupfen!") oder Seife (". . . haste dir bei deine schwere Arbeit schwarze Pfoten geholt . . .") anbot.
Ihm verdanken wir die Aussprüche "Wucht in Tüten" oder "frech wie Oskar" sowie das verkaufsfördernde Rezept: "Wer kein Geld hat, langt dem Nebenmann in die Tasche, vielleicht hat der noch was!" Nach dem Krieg betrieb Oskar erst eine Kantine im Wohnlager Stadtpark, dann zog es ihn wieder auf die Straße, obwohl ihm 1951 als Schlichter einer Schlägerei der Kehlkopf zertrümmert worden war
Knick - Typisch für Holstein
Knick - Diese Wallhecken sind charakteristisch für die Holsteiner Landschaft. Die Knicks entstanden am Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der Agrarreform mit Auflösung der Feldgemeinschaft>, der Verkoppelung (Koppel = eingezäunte Weide) und dem Einhegen von Wiesen und Feldern. Die gesammelten Feldsteine wurden am Rande aufgeschichtet, mit der Erde der beidseitig ausgehobenen Entwässerungsgräben bedeckt und mit Sträuchern wie Hasel, Holunder, Weißdorn, Ahorn, Eiche, Hainbuche, Esche und Weide bepflanzt, so dass eine Abgrenzung wie auch ein Windschutz entstand. Alle sieben Jahre wurde der Knick abgeholzt, also geknickt, damit er nicht auswuchs, wobei die so genannten Pfahleichen stehen blieben. Im Zuge der großflächigen Landwirtschaft gerieten die Knicks jüngst in Gefahr, so dass die ökologisch wertvollen Biotope mit ihrem Vogel- und Artenreichtum unter gesetzlichen Schutz gestellt werden mussten. Ein Feldweg zwischen den Knicks wird Redder genannt.
Birnen, Bohnen, Speck - Schmeckt vorzüglich
Dieses typisch norddeutsche Gericht, in einigen Familien auch "Grööner Heini" genannt, muss man Besuchern aus Süddeutschland in der Regel zuerst aufzwingen, bevor sie zugeben: Es schmeckt vorzüglich! Den durchwachsenen, geräucherten Speck mit Pfefferkörnern 20 Minuten kochen lassen, dann die abgefädelten und abgeschnittenen Brechbohnen in vier Zentimeter lange Stücke teilen und mit etwas Salz und Bohnenkraut zum Speck geben. Von den reifen, aber festen Kochbirnen die Blütenansätze herausschneiden, sie ansonsten mit Stiel in den Topf legen und das Ganze in 20 Minuten fertig garen lassen. Die Brühe abgießen, abschmecken, mit Gustin binden, wieder unterrühren und den Speck in Scheiben schneiden. Als Beilage eignen sich Salzkartoffeln.
Hanse - Bund der Städte
Hanse - Bezeichnung für die im Spätmittelalter entstandenen Zusammenschlüsse deutscher Kaufleute im Ausland, die schließlich in einen norddeutschen Städtebund mündeten, in dem Lübeck für den Ostseeraum und Hamburg für die Handelswege Richtung Nordsee, England und Flandern führend waren. Das Wort kommt von ahd. hansa ("Kriegerschar") und dem mndd. hanse, hense ("Handelsgesellschaft") und wurde als düdesche hense 1358 zum Namen des Bundes. Die Hanse stand 1370 mit dem Sieg über Dänemark (Frieden von Stralsund) auf dem Höhepunkt ihrer politischen Macht, die mit der Entdeckung Amerikas, der Verlagerung der Handelsrouten, dem Erstarken der englischen und niederländischen Seemacht und dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges jedoch zusammenbrach. 1630 bestand die Hanse nur noch aus Lübeck, Bremen und Hamburg, die die Bezeichnung Hansestadt im Namen ("Hanseat", "hanseatisch") bis heute stolz und unbeirrt wie ein zweites Ich beibehalten haben, nicht nur auf den Autokennzeichen.
Köhlbrandbrücke - Wahrzeichen Hamburgs
Das Bauwerk des Architekten Egon Jux über den 325 Meter breiten Elbarm Köhlbrand zwischen Norder- und Süderelbe gilt als schönste moderne Brücke Europas und zählt nach seiner Freigabe am 20. September 1974 durch den damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel zu den Wahrzeichen Hamburgs. Die Schrägseilbrücke misst mit Auffahrten 3940 Meter, ruht auf 75 Pfeilern und weist eine Durchfahrtshöhe von 53 Metern auf. Das Kernstück der Brücke (520 m) hängt an zwei 135 Meter hohen Pylonen mit 88 Stahlseilen, die allerdings bereits nach vier Jahren erneuert werden mussten. Anlässlich der Einweihung marschierten 630 000 Besucher an drei Tagen über die Brücke, obwohl die Hansestadt ja nicht gerade arm an Brücken ist: Rund 230 von ihnen gibt es (wenn wir alle Stege und Übergänge mitzählen, sind es sogar 2453).
Richard Ohnsorg - Aus Liebe zum Theater
Hamburger Schauspieler, Regisseur, Bibliothekar, Dr. phil., geboren am 3. Mai 1876 und gestorben am 10. Mai 1947 in der Hansestadt, gründete 1902 mit anderen Laiendarstellern eine plattdeutsche Bühne, die 1920 in Niederdeutsche Bühne umbenannt wurde, große Erfolge errang und 1936 ein festes Haus an den Großen Bleichen beziehen konnte. Seit 1946 heißt die Bühne Ohnsorg-Theater nach ihrem Begründer und nicht etwa, weil dort ohne Sorge Komödien dargeboten werden, wie es außerhalb und sogar innerhalb Hamburgs vielfach angenommen wird. Ab 1954 im Fernsehen (auf Hochdeutsch) übertragen, wurde das Ensemble mit Heidi Kabel und Henry Vahl an der Spitze bundesweit bekannt.
verballhornen - Fehler im Druck
Dieser Ausdruck ist durchaus hanseatischen Ursprungs, aber da er mit einem negativen Beigeschmack behaftet ist, wird man in Hamburg nicht müde, darauf hinzuweisen, dass der Schuldige nicht an der Elbe, sondern an der Trave, in der Hansestadt Lübeck, zu lokalisieren sei:
Der Buchdrucker Johann Ballhorn (1528-1603), der dort 1586 eine Ausgabe des Lübischen Rechts veröffentlichte, hatte dabei eine Todsünde der Schwarzen Kunst begangen: Er gab den Satz ohne vorherige Korrektur in den Druck. Sein Werk enthielt derart viele Fehler, Drehungen, Klitterungen und auf unfreiwillige Weise sogar neue Wörter, dass ihm die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, den neuen Fachbegriff Verballhornung oder verballhornen von seinem Namen abgeleitet zu sehen.
Pharisäer - Rum unter Sahne
Pharisäer - Ein Pharisäer ist ein an der gesamten norddeutschen Küste verbreiteter Kaffeepunsch, der auch in Hamburg nach folgendem Rezept zubereitet wird:
Sahne mit Zucker und etwas Vanillezucker sehr steif schlagen, kühl stellen, dann in einen Kaffeebecher einen Teelöffel Zucker geben, mit warmem Rum aufgießen, den heißen, starken Kaffee darüber verteilen und gut umrühren, bis der Zucker gelöst ist. Zuletzt wird das Getränk mit einer dicken Sahnehaube garniert und sofort serviert. Warum nennt man eine solche Kreation aber "Pharisäer"?
Fast jeder Ort der Nordseeregion reklamiert für sich folgende Geschichte: Der Dorfpastor hatte wieder einmal gegen den übermäßigen Alkoholkonsum seiner Schäfchen gewettert und stattdessen den Genuss von Kaffee und Kuchen bei Geselligkeiten empfohlen. Die Bauern versteckten den Rum deshalb unter der Sahnehaube der Kaffeetasse. Als der Pastor das merkte, schimpfte er: "Oh, ihr Pharisäer!"
Düpe - Tiefe des Wassers
Dieser Begriff bedeutet so viel wie "Tiefe" (ndd. düpen = "vertiefen, tauchen", aber auch "einstippen", etwa den Keks in den Kaffee düpen). Hier geht es um die Düpe als Bezeichnung für eine hinreichende Wassertiefe im Hamburger Hafen, die nicht erst heutzutage angesichts der Elbvertiefung ein Problem darstellt.
Seit 1555 führten die beiden jüngsten Ratsherren als Düpeherren, später als Präsides der Düpekommission die Aufsicht über das Fahrwasser, deren Aufgaben 1814 auf die Schifffahrts- und Hafendeputation und 1863 auf den Strom- und Hafenbau überging. Die Düpeherren kümmerten sich auch um die Reinhaltung der Fleete, so dass sich der Ausdruck Fleetenkieker, der später zur Bezeichnung der privaten Abfallsammler wurde, ursprünglich auf sie bezog.
   
  to be continued......

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